Samstag, 16. August 2014

Recipe: Vegane Mandelmuffins

Okay, der diesjährige Sommer war wohl nix. Man darf also gespannt sein, ob da vielleicht doch noch etwas kommt. Sommer war aber auch noch nie so meine Lieblingsjahreszeit - auch wenn ich gerade bei den 21 Grad draußen friere und anscheinend endlich die Lösung gegen meine blöde Sonnenallergie gefunden habe. Ist halt alles eine Sache der Gewöhnung.

Nichtsdestotrotz: Ich bin ein September-Kind, geboren kurz vor'm kalendarischen Herbstanfang. Ich liebe es, wenn sich das Laub bunt färbt und die Gehwege bedeckt. Ich liebe Regenwetter - und mit Hund und Gummistiefeln draußen herumstapfen. Ich liebe warmen Kakao bei Kerzenschein und guter Musik. Ja, und ich liebe ebenso das passende Gebäck dazu. Kenner wissen schon lange, dass Marzipan mein Kryptonit ist und ich davon magisch angezogen werde. Deshalb an dieser Stelle ein schnelles Rezept, das ganz gut zu meiner aktuellen Vorfreude auf den Herbst passt.



Zutaten:
250g Mehl
100g Zucker
1 Pck. Vanillezucker
1 Pck. Backpulver
100g gemahlene Mandeln
1 Fläschchen Bittermandelaroma (optional)
100ml Sonnenblumenöl
200ml Sojamilch
Marzipanrohmasse
Puderzucker

Zubereitung:
Einfacher geht es kaum - aber erst einmal schaltet ihr den Backofen ein und heizt ihn auf 170° C Umluft vor. Danach vermischt ihr alle oben genannten Zutaten mit Ausnahme der Marzipanrohmasse und des Puderzuckers. Das Aroma ist optional, die Muffins schmecken auch ohne lecker. Ich kenne den Geruch von dem Zeug noch von meiner Oma und könnte allein deswegen schon darin baden. Aber wie gesagt, man kann's auch weglassen. Den Teig verteilt ihr dann auf 12-18 Papierförmchen - je nachdem, wie groß eure Muffins werden sollen. Ich habe ein bisschen "frei Schnauze" gebacken und den Teig nur auf 12 Förmchen verteilt. Deshalb sind meine Muffins auch ein ganz klein bisschen groß geworden - aber macht ja nix. Die Muffins backt ihr anschließend 20-25 Minuten; achtet einfach darauf, dass sie oben eine schöne Bräune bekommen. Wenn ihr mit einem Zahnstocher reinpiekst und kein Teig daran hängen bleibt, sind sie durch. Natürlich könnte man die Muffins auch so schon essen, man kann ihnen aber auch eine Abdeckung aus Marzipan verpassen. Dazu verknetet ihr die Rohmasse mit gesiebtem Puderzucker. Die Menge ist dabei euch überlassen. Generell gilt: Je weniger Zucker im Marzipan enthalten ist (und dementsprechend je mehr Mandeln), desto hochwertiger ist es. Mit Marzipan zu arbeiten ist allerdings etwas tricky, weil es schnell klebrig wird. Mir fällt es einfacher, wenn ich möglichst kalte Hande habe. Und überall Puderzucker verteile. Zum Ausrollen überzieht ihr euer Nudelholz dann am besten gleich mit Frischhaltefolie. Anschließend müsst ihr nur noch passende Deckel ausstechen, diese auf eure Muffins legen und fertig sind sie. (Und weil eure Küche dann wahrscheinlich entweder so aussieht, als hätte es geschneit oder als hättet ihr eine wilde Koksparty gefeiert, wünsche ich euch viel Spaß beim Aufräumen. Ich hab' die Puderzucker-Landschaft übrigens ganz pragmatisch mit dem Staubsauger entfernt!)

Der Herbst kann kommen!

Donnerstag, 14. August 2014

The Road Not Taken.

Two roads diverged in a yellow wood,
And sorry I could not travel bot
And be one traveler, long I stood
And looked down one as far as I could
To where it bent in the undergrowth;

Then took the other, as just as fair
And having perhaps the better claim,
Because it was grassy and wanted wear;
Though as for that the passing there
Had worn them really about the same,

And both that morning equally lay
In leaves no step had trodden black.
Oh, I kept the first for another day!
Yet knowing how way leads on to way,
I doubted if I should ever come back.

I shall be telling this with a sigh
Somewhere ages and ages hence:
Two roads diverged in a wood, and I —
I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

(Robert Frost)


Früher in der Schule hatte ich diesen einen Religionslehrer. Von ihm habe ich nicht nur mehr über Religion und später eben Ethik gelernt als von jedem anderen Lehrer, sondern wir haben damals in jeder letzten Stunde vor den Ferien - und dabei war es unwichtig, um welche Ferien es sich handelte - einen Film geschaut. Zur Wahl standen dabei immer dieselben drei: Schindlers Liste, Der Name der Rose und eben Der Club der toten Dichter. Ich weiß gar nicht, wie oft ich jeden dieser drei gesehen habe und jetzt, wo scheinbar die ganze Welt um Robin Williams trauert, musste ich an die Zeit denken, in der dieser Film mein Interesse für Literatur geweckt hat. Bücher hatte ich schon immer verschlungen, aber wenn es um Lyrik ging - die war nicht meins. Bis zu diesem Zeitpunkt. Robin Williams hin und her - ja, er hat tolle Filme gemacht und ich bewundere ihn für seinen offenen Umgang mit seinen Problemen - Der Club der toten Dichter oder eben im Original Dead Poets Society ist, egal wie man ihn dreht und wendet, ein großartiger Film:
[...] you must strive to find your own voice. Because the longer you wait to begin, the less likely you are to
find it at all. Thoreau said, 'Most men lead lives of quiet desperation.' Don't be resigned to that. Break out!"

Dienstag, 12. August 2014

Ein Tag im Krankenhaus.

Die schlafende Stadt.
Mittwochmorgen. Der Wecker klingelt um 6.15 Uhr. Während ich mich aus dem Bett quäle, denke ich daran, wie ich früher immer gesagt habe, dass ich Krankenhäuser hasse. Dass sie für mich nach Krankheit und Tod riechen. Dass sie mich deprimieren. Mein Frühstück kauend mache ich mich fertig, nur das Nötigste. Den Kaffee in der rechten Hand. Viel zu spät - natürlich - schwinge ich mich auf mein Rad und hetze zur Arbeit. Stempeln um 7.30 Uhr. Umziehen, anmelden. Los geht's. Fast jeder Arbeitstag beginnt damit, erst einmal den langen Gang durch den dunklen Keller zu durchqueren, den ich liebevoll "die Katakomben" nenne. Es ist warm, man hört die Heizungsanlagen. Mein Job ist eigentlich gar kein anspruchsvoller, besteht er doch nur daraus, Patienten im Rollstuhl oder im Bett von A nach B zu befördern. Doch während am Anfang meine größte Sorge die war, direkt wieder gefeuert zu werden, weil ich mich niemals in diesem riesigen Gebäude zurechtfinden würde, schlendere ich nun durch die 19 Stockwerke, als hätte ich nie etwas anderes getan.

Nur zurückdenken muss ich oft. An eine meiner ersten Patientinnen, die ich eine Woche später im Aufzug wiedertraf, wo sie mir stolz erzählte, sie dürfe morgen nach Hause. Als wir uns zum ersten Mal begegneten, hatte sie Tränen in den Augen, griff nach meiner Hand und bat mich, sie nicht allein zu lassen. Ich erinnere mich an die zwei Patienten, sie noch auf Trage des Rettungsdienstes, er im Rollstuhl, die sich zufällig im Aufzug trafen und sich anhand ihrer Stimmen erkannten. Nachbarn im entfernten Heimatdorf. Und dann ist da noch der niederländische Herr, der nur etwas älter als meine Eltern ist. Anfangs fuhr ich ihn oft zur Dialyse, das mit dem Gehen wollte nicht so recht klappen. Wochen später habe ich ihn fast umgerannt, als ich gedankenverloren auf mein Diensthandy starrte. Da stand er, lachend wie immer, und fragte, ob ich ihn den noch erkennen würde. Das kleine Mädchen, das nach seiner etwa achten Operation keine Träne verlor, als wir uns auf den Rückweg zur Station machten - obwohl man mich vorher warnte, dass sie sehr quengelig sei. Wir sagten einfach nichts und starrten uns nur gegenseitig an. Oh, und der Schotte, der ebenso wie mein Onkel bei der British Army dient. Kurz vor'm Ruhestand. "Und, bleiben Sie hier oder geht es endlich heim?" - "Natürlich bleibe ich!" Als ich ihn nach seiner OP abholte, flüsterte ich zum Abschied: "Get well soon." Die quirlige Frau mit dem Herzproblem, die mir erst vor'm letzten Aufzug gestand, dass sie so Angst vor ihnen hat. Gemeinsam kämpften wir uns zwei Stockwerke nach oben. Sie am Geländer, ich den Rollstuhl tragend. Oben angekommen konnten wir uns nicht entscheiden, wer denn jetzt schwerer atmetete. Meine erste Fahrt zum Kreissaal, die war letzte Woche. Ich konnte nicht anders als ebenso aufgeregt zu sein und die ganze Zeit zu lächeln. "Viel Erfolg!" Als ich die Mutter nach der Geburt wiedersah, hielt sie ihren Sohn im Arm. Ich dagegen wartete auf den Aufzug. Neben mir eine Frau, die nach einer Fehlgeburt operiert worden war. "Manchmal spielt das Schicksal richtig scheiße," dachte ich. Der Mutter nickte ich nur kurz zu und drehte meinen Kopf direkt zu meiner Patientin, der Tränen über die Wangen laufen. Für so etwas gibt es keine passenden Worte, man kann nicht aufmuntern, nicht sagen, dass es besser wird. Schon gar nicht ich mit meinen 23 Jahren und der damit quasi nicht vorhandenen Lebenserfahrung. In solchen Momenten würde ich am liebsten sagen, dass ich jetzt gerne auch mal kurz weinen möchte - weil das Leben unfair ist und niemand so etwas verdient hat. In solchen Momenten weiß ich, dass der Tag für mich gelaufen ist. Dass ich nach Feierabend nicht rausgehen und das alles einfach so da lassen werde. Dann sind da aber auch die Klinikclowns, denen es nie misslingt, einen zum Lachen zu bringen. Und selbst, wenn sie nicht da sind, ist es sehr selten mal so traurig, dass es einen nicht mehr loslässt. Freude ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, um die Atmosphäre in einem Krankenhaus zu beschreiben. Es ist vielmehr eine Mischung und Hoffnung und ja, einer gewissen Gelassenheit.

Manchmal denke ich, dass es kaum traurigere Orte als Krankenhäuser geben kann. Und doch werde ich immer wieder vom Gegenteil überzeugt.

15.42 Uhr. Ausstempeln.